Ein Lastmanagement ist die Steuerung, die mehrere Wallboxen an einem gemeinsamen Hausanschluss möglich macht. Es verteilt die begrenzte Anschlussleistung intelligent auf alle Ladepunkte – so lädt jedes Auto, ohne dass der Hausanschluss überlastet wird oder teuer verstärkt werden muss. Im Mehrfamilienhaus ist es deshalb praktisch immer Pflicht.
Das Grundproblem: Der Hausanschluss ist begrenzt
Jedes Gebäude hat einen Hausanschluss mit einer festen maximalen Leistung – oft auf 63 Ampere (rund 43 kW) begrenzt. Diese Leistung teilen sich alle Wohnungen, alle Herde, Durchlauferhitzer und Waschmaschinen. Würden in einem Haus mit zehn Parteien plötzlich fünf Wallboxen mit je 11 kW gleichzeitig laden, wären das allein 55 kW – der Anschluss wäre überlastet, bevor überhaupt jemand kocht.
Ohne Steuerung gäbe es nur zwei Auswege: den Hausanschluss aufwändig und teuer verstärken lassen (oft fünfstellig) oder jeder Wallbox nur einen Bruchteil der Leistung fest zuteilen. Beides ist unwirtschaftlich. Genau hier setzt das Lastmanagement an.
Was ein Lastmanagement genau macht
Ein Lastmanagementsystem ist eine zentrale Steuerung, die alle Wallboxen miteinander vernetzt. Es kennt die maximal verfügbare Leistung und verteilt sie dynamisch auf die Fahrzeuge, die gerade laden. Lädt nur ein Auto, bekommt es die volle Leistung. Kommen weitere hinzu, wird die Leistung fair aufgeteilt – jeder lädt etwas langsamer, aber niemand fliegt aus der Sicherung.
Statisches vs. dynamisches Lastmanagement
Statisches Lastmanagement
Hier steht den Wallboxen ein fest definiertes Leistungsbudget zur Verfügung – zum Beispiel 22 kW, die sie unter sich aufteilen. Es ist günstiger und einfacher, nutzt den Anschluss aber nicht optimal aus, weil das Budget unabhängig davon gilt, ob im Haus gerade viel oder wenig verbraucht wird.
Dynamisches Lastmanagement
Ein Messsensor am Hausanschluss erfasst laufend den tatsächlichen Gesamtverbrauch des Gebäudes. Die Wallboxen bekommen genau die Leistung freigegeben, die in diesem Moment übrig ist. Nachts, wenn kaum jemand Strom braucht, laden die Autos schnell; tagsüber wird automatisch zurückgeregelt. Das holt das Maximum aus dem vorhandenen Anschluss heraus und ist im Mehrfamilienhaus klar die bessere Lösung.
Wann ist ein Lastmanagement Pflicht?
Technisch immer dann, wenn die Summe der Wallboxen den Hausanschluss überlasten könnte – der Netzbetreiber verlangt dann ein Lastmanagement als Bedingung für die Genehmigung. Hinzu kommt seit 2024 der §14a EnWG: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen müssen vom Netzbetreiber im Notfall dimmbar sein. Ein modernes Lastmanagement erfüllt diese Anforderung gleich mit.
Vorausschauend planen lohnt sich
Auch wenn heute erst ein oder zwei Bewohner laden wollen: In wenigen Jahren werden es mehr sein. Wir planen die Infrastruktur deshalb von Anfang an erweiterbar – mit ausreichend dimensionierten Leitungen und einem Lastmanagement, in das sich später weitere Ladepunkte einbinden lassen, ohne den Anschluss zu verstärken. Wie sich Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus sinnvoll aufbauen lässt, lesen Sie in unserem Beitrag zu Lösungsansätzen für das Mehrfamilienhaus. Ihre Rechte als Mieter oder Eigentümer erklären wir im Beitrag Wallbox als Mieter und in der WEG.
