Im Mehrfamilienhaus wollen oft mehrere Parteien laden – aber es gibt nur einen Hausanschluss und begrenzten Platz im Zählerschrank. Wer jede Wallbox einzeln und unkoordiniert anschließt, zahlt am Ende drauf. Die bessere Lösung ist ein gemeinsames Konzept: eine zentrale Zuleitung mit Lastmanagement und sauberer Abrechnung, das mit dem Bedarf mitwächst.
Erst die rechtliche Lage: Sie haben einen Anspruch
Seit der Reform des Wohnungseigentums- und Mietrechts haben sowohl Eigentümer als auch Mieter grundsätzlich das Recht, auf eigene Kosten eine Lademöglichkeit am Stellplatz errichten zu lassen. Die Eigentümergemeinschaft oder der Vermieter darf über die Art der Ausführung mitbestimmen, das Vorhaben aber nicht grundlos blockieren. Mehr dazu in unserem Beitrag Wallbox als Mieter und in der WEG.
Lösungsansatz 1: Gemeinsame Infrastruktur statt Einzelanschlüsse
Der Schlüssel ist eine zentrale Zuleitung – oft „Backbone“ oder Sammelschiene genannt – die einmal in die Tiefgarage bzw. zu den Stellplätzen geführt wird. An sie werden die einzelnen Wallboxen angeschlossen. Das spart Material und Arbeit gegenüber vielen getrennten Leitungen und ermöglicht erst ein gemeinsames Lastmanagement. Statt dass der erste Bewohner alles bezahlt, lässt sich der Grundausbau fair umlegen.
Lösungsansatz 2: Lastmanagement gegen Überlastung
Ein gemeinsamer Hausanschluss kann nicht alle Wallboxen gleichzeitig mit voller Leistung versorgen. Ein Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung dynamisch auf die Fahrzeuge, die gerade laden – so wird der Anschluss nie überlastet und muss nicht teuer verstärkt werden. Im Mehrfamilienhaus ist das praktisch immer Voraussetzung für die Genehmigung durch den Netzbetreiber.
Lösungsansatz 3: Getrennte, eichrechtskonforme Abrechnung
Niemand möchte den Strom der Nachbarn mitbezahlen. Deshalb bekommt jeder Ladepunkt eine eigene, eichrechtskonforme Messung. So zahlt jeder Nutzer exakt seinen Verbrauch. Die Abrechnung lässt sich über separate Zähler oder ein automatisiertes Backend-System organisieren – je nach Größe der Anlage.
Lösungsansatz 4: Vorausschauend planen
Auch wenn heute erst zwei Parteien laden wollen: In wenigen Jahren werden es deutlich mehr sein. Ein vorausschauender Grundausbau – ausreichend dimensionierte Zuleitung, Leerrohre und Reserven im Zählerschrank – ist die beste Investition. Jede zusätzliche Wallbox lässt sich dann mit geringem Aufwand nachrüsten, ohne erneut aufzugraben. Oft geht das mit einer Zählerplatz-Sanierung Hand in Hand.
Unser Tipp: ein Gesamtkonzept
Wir empfehlen, die Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus von Anfang an als Gesamtkonzept zu planen – statt Stückwerk, das später teuer nachgebessert werden muss. Wir beraten Eigentümergemeinschaften, Verwaltungen und Vermieter, planen die Infrastruktur und übernehmen Installation sowie Anmeldung beim Netzbetreiber komplett.
