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Lastmanagement · Technik erklärt

Lastmanagement: mehr Ladepunkte am selben Hausanschluss.

Ein Lastmanagement verteilt die vorhandene Anschlussleistung auf alle Ladepunkte, statt sie starr aufzuteilen. Dadurch lassen sich in einem Mehrfamilienhaus deutlich mehr Stellplätze ausstatten, ohne den Hausanschluss zu verstärken. Hier steht, wie das technisch funktioniert – und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

★★★★★ 5,0 · 56 Bewertungen · Eingetragener Elektrofachbetrieb (HwK Köln)

Was ist ein Lastmanagement?

Ein Lastmanagement ist eine Regelung, die dafür sorgt, dass alle Ladepunkte zusammen nie mehr Strom ziehen, als der Hausanschluss verträgt. Es verteilt die verfügbare Leistung laufend neu, statt sie starr aufzuteilen.

Der Unterschied zu einer festen Drosselung ist entscheidend. Wer sechs Wallboxen dauerhaft auf ein Sechstel der Anschlussleistung begrenzt, lädt auch nachts langsam, wenn das Haus schläft und fast die gesamte Leistung frei wäre. Eine Regelung nutzt genau diese Reserve.

Im Einfamilienhaus mit einer Wallbox ist das meist verzichtbar. Im Mehrfamilienhaus mit mehreren Ladepunkten ist es die Voraussetzung dafür, dass das Projekt überhaupt genehmigungsfähig und bezahlbar wird.

Warum es ohne Regelung nicht geht

Sechs Wallboxen mit je 11 kW ziehen zusammen rund 96 A je Phase. Ein üblicher Hausanschluss im Mehrfamilienhaus liefert 63 A – und davon braucht das Gebäude selbst schon einen Teil.

Die Spitze liegt genau dann, wenn es ungünstig ist: abends zwischen 18 und 21 Uhr, wenn gekocht, geheizt und gewaschen wird und gleichzeitig die Fahrzeuge nach Hause kommen. Ohne Regelung stehen drei Möglichkeiten zur Wahl:

  • Weniger Ladepunkte: Nur zwei oder drei Stellplätze bekommen eine Wallbox. Der Konflikt in der Gemeinschaft ist vorprogrammiert.
  • Dauerhaft drosseln: Alle Wallboxen laufen fest auf niedriger Leistung – auch nachts, wenn die volle Leistung frei wäre.
  • Hausanschluss verstärken: Technisch möglich, aber teuer. Tiefbau, Netzbetreiberkosten und die Frage, wer das in der Gemeinschaft bezahlt.

Ein dynamisches Lastmanagement löst das Problem ohne diese drei Nachteile: Abends weicht die Ladeleistung zurück, nachts füllt sie den freien Spielraum auf. Die Fahrzeuge sind am Morgen trotzdem voll, weil ein Auto über Nacht deutlich weniger als die volle Leistung braucht.

Statisch oder dynamisch – wo liegt der Unterschied?

Beide Verfahren schützen den Anschluss. Der Unterschied liegt darin, ob die Regelung weiß, was das Gebäude gerade sonst verbraucht.

 Statisches LastmanagementDynamisches Lastmanagement
GrundlageFeste Obergrenze, einmal eingestelltLaufende Messung am Hausanschluss
GebäudeverbrauchWird nicht berücksichtigtWird mitgerechnet
Nutzbare Leistung nachtsUnverändert niedrigNahezu die volle Reserve
Zusätzliche TechnikKeine Messung nötigZähler und Stromwandler im Vorzählerbereich
Sinnvoll beiWenigen Ladepunkten mit viel ReserveMehrfamilienhaus, Tiefgarage, Gewerbe

In einem Mehrfamilienhaus mit knappem Anschluss ist die dynamische Variante fast immer die wirtschaftlichere: Sie kostet etwas mehr Messtechnik und spart dafür die Verstärkung des Hausanschlusses.

Phasenselektiv messen – warum die Summe nicht reicht

Lasten im Gebäude verteilen sich selten gleichmäßig auf die drei Phasen. Eine Regelung, die nur die Summe kennt, übersieht genau die Schieflage, die gefährlich wird.

Ein Beispiel: Ein Durchlauferhitzer hängt einphasig auf L2, dazu lädt ein Fahrzeug einphasig auf derselben Phase. In der Summe über alle drei Phasen sieht alles unauffällig aus – auf L2 ist die Sicherung längst am Limit.

Eine phasenselektive Messung erfasst L1, L2 und L3 getrennt und begrenzt gezielt dort, wo es eng wird. Die anderen Phasen dürfen weiter mit voller Leistung laden. Das ist genauer und nutzt den Anschluss besser aus.

§14a EnWG und die Wärmepumpe

Seit 2024 sind neue Wallboxen und Wärmepumpen steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf ihre Leistung in seltenen Fällen vorübergehend reduzieren, im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte.

Für ein Mehrfamilienhaus heißt das: Die Regelung muss nicht nur den Hausanschluss schützen, sondern auch eine Vorgabe des Netzbetreibers umsetzen und auf mehrere steuerbare Einrichtungen aufteilen können. Sind Wallboxen und eine Wärmepumpe im selben Gebäude, sollte die Wärmepumpe dabei bevorzugt behandelt werden – Heizen ist weniger verschiebbar als Laden.

Wie §14a im Detail funktioniert, steht auf unserer Seite §14a EnWG für Wallboxen, die technische Umsetzung im Zählerschrank im Beitrag Steuerklemme und RJ45-Buchse.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

Lastmanagement ist kein Zubehörteil, sondern das Bauteil, von dem die Sicherheit der gesamten Anlage abhängt. Fünf Fragen, die vor der Entscheidung geklärt sein sollten.

  • Was passiert, wenn Messwerte ausbleiben? Ein sauberes System senkt dann sofort auf einen sicheren Grundwert, statt den letzten bekannten Wert weiterzuverwenden.
  • Wird der Stellbefehl überprüft? Ein Befehl, der abgeschickt, aber nicht bestätigt wurde, ist nicht ausgeführt. Die Regelung sollte zurücklesen.
  • Sind Sie an einen Hersteller gebunden? Über OCPP 1.6J lassen sich Ladepunkte verschiedener Hersteller einbinden. Proprietäre Systeme legen Sie für Jahre fest.
  • Entstehen laufende Kosten? Cloud-basierte Lösungen kosten oft monatlich je Ladepunkt – über die Lebensdauer einer Anlage summiert sich das erheblich.
  • Funktioniert die Anlage ohne Internet weiter? Fällt die Verbindung aus, sollte das Gebäude weiter laden können.

Unsere Antwort darauf: der Dymbol LM-Controller

Weil uns keine Lösung überzeugt hat, die dauerhaft eine Cloud-Verbindung und ein Abonnement voraussetzt, haben wir ein eigenes System entwickelt. Es arbeitet vollständig im Gebäude.

Dymbol LM-Controller im schwarzen Metallgehäuse mit Netzwerk- und USB-Anschlüssen
LM-Controller im Metallgehäuse, passiv gekühlt.
  • Phasenselektiv, alle zwei Sekunden: getrennte Messung für L1, L2 und L3, fester Regeltakt und damit vorhersagbare Reaktionszeit.
  • 2 bis 20 Ladepunkte je Controller: größere Anlagen setzen wir mit mehreren Controllern um – eine feste Obergrenze für das Gebäude gibt es nicht.
  • Offen über OCPP 1.6J: der Controller ist ein lokales Central System, keine Herstellerbindung.
  • Keine Cloud, keine laufenden Gebühren: für Regelung und Betrieb ist keine Internetverbindung erforderlich.
  • §14a EnWG inklusive: Leistungsreduzierung, Aufteilung auf mehrere steuerbare Einrichtungen, eigener Ausgang für die Wärmepumpe mit Vorrangregel.

Alle technischen Daten zum LM-Controller →

Häufige Fragen

Was macht ein Lastmanagement genau?
Es begrenzt die Summe der Ladeleistung so, dass der Hausanschluss nie über seinen Grenzwert kommt. Dazu misst es laufend den tatsächlichen Verbrauch im Gebäude, berechnet den freien Spielraum und gibt jedem Ladepunkt genau den Strom frei, der gerade verfügbar ist.
Was ist der Unterschied zwischen statischem und dynamischem Lastmanagement?
Ein statisches Lastmanagement teilt eine fest eingestellte Obergrenze unter den Ladepunkten auf – unabhängig davon, was das Gebäude sonst verbraucht. Ein dynamisches Lastmanagement misst den Gebäudeverbrauch mit und nutzt den jeweils freien Rest. Dadurch steht nachts deutlich mehr Ladeleistung zur Verfügung als bei einer starren Grenze.
Warum ist die phasenselektive Messung wichtig?
Weil Lasten im Gebäude selten gleichmäßig auf L1, L2 und L3 verteilt sind. Wird nur die Summe gemessen, kann eine einzelne Phase überlastet sein, während die Rechnung insgesamt noch passt. Eine Messung getrennt nach Phasen erkennt das und begrenzt gezielt dort, wo es eng wird.
Ist ein Lastmanagement im Mehrfamilienhaus Pflicht?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. In der Praxis führt aber kein Weg daran vorbei: Der Netzbetreiber stimmt einer größeren Ladeinfrastruktur in der Regel nur zu, wenn eine Leistungsbegrenzung nachgewiesen ist. Ohne Regelung wäre die Alternative eine Verstärkung des Hausanschlusses.
Was passiert, wenn die Regelung ausfällt?
Bei einem sauber ausgelegten System darf ein Ausfall nicht zur Überlastung führen. Deshalb hat jeder Ladepunkt zusätzlich eine fest hinterlegte Strom-Obergrenze. Fällt die Regelung aus, wird weiter geladen – nur begrenzt auf diesen sicheren Wert.
Braucht ein Lastmanagement eine Internetverbindung?
Das hängt vom System ab. Viele Lösungen regeln über ein Herstellerportal und benötigen dafür eine dauerhafte Verbindung sowie ein Abonnement. Es geht auch anders: Unser LM-Controller arbeitet vollständig im Gebäude, ohne Cloud und ohne laufende Gebühren.

Lastmanagement für Ihr Objekt auslegen

Wie viele Ladepunkte Ihr Hausanschluss trägt, lässt sich nach einem Ortstermin konkret beziffern. Sie erhalten ein Lastkonzept und ein Festpreisangebot.